Meistermacher Dr. Gerd Vogel
xsk8.de: Wie sieht das Trainingsprogramm aus? Gibt es ein bewährtes Schema oder wird der Ablauf ganz individuell auf jeden Fahrer zugeschnitten?
Gerd Vogel: Natürlich folge ich einem Programmschema, welches mit einfachen Tricks (180, 360 und 540) anfängt und mit leichten Grinds. Dabei trennt sich schnell die Spreu vom Weizen und das Training wird dem Alter, der Kondition und dem Mut des jeweiligen Schützlings angepasst, wobei ich sehr auf das Vermeiden von Überforderungen und daraus möglicherweise resultierenden Verletzungen achte. Es wäre fatal, wenn bei den Jungs der Spaß am Skaten verloren ginge. Es gehört viel Geduld dazu, sie das machen zu lassen, was sie unbedingt lernen möchten und sie niemals zu bestimmten Tricks auch nur zu überreden. Ganz im Gegenteil bremse ich eher, wenn sie sich zuviel zutrauen - das hat sich bisher sehr bewährt. Noch kein einziger hat sich bisher ernsthaft verletzt, es ging bisher mit blauen Flecken und kleinen Schürfwunden ab.

xsk8.de: Trainiert ihr immer am selben Ort?
Gerd Vogel: In der Regel wird in der Skate Factory trainiert (Taig Khris sagte mir einmal, er halte die Halfpipe dort für eine der besten in Europa - sonst hätte er auch wohl kaum dort trainiert). Im Sommer geht es aber ab und zu ins Münsterland (5 Halfpipes!) und nach Bonn (Rheinaue), manchmal auch nach Hamburg (i-Punkt) und Münster (Frankfurt ist ja leider dicht), um das Fahren auf total anders gebauten Halfpipes zu trainieren. Es ist ein Riesenunterschied, ob auf einer 3.5 hohen oder 4.0 m hohen und wesentlich breiteren Halfpipe gefahren wird, aber alle haben das nach einigen Stunden in den Griff bekommen, wobei Tipps von mir natürlich besonders gefragt sind.

xsk8.de: Was ist ein gutes Alter um mit dem Training anzufangen?
Gerd Vogel: Als unterste Grenze habe ich bisher ca. 11 - 12 Jahre gehalten (für´s ernsthafte Trainieren wohlgemerkt), fahren sollten die Kids natürlich schon früher lernen. Allerdings haben mich Felix und Leroy damit überrascht, dass es auch schon ab 9 oder 10 Jahren Alter durchaus vielversprechend sein kann, es verlangt allerdings von mir ein deutlich größeres Einfühlungsvermögen und erhöhte Aufmerksamkeit. Einen Jungen in diesem Alter ständig zu motivieren erfordert ein gewisses psychologisches Einfühlungsvermögen, um stets zu wissen, wann es dem Fahrer noch Spass macht oder nicht. Es ist dann die Kunst, rechtzeitig zu bremsen oder auszusetzen, um Verletzungen zu vermeiden.

xsk8.de: Welchen Tipp oder welchen Grundsatz würdest du jemandem mit auf den Weg geben, der gerade mit dem Skaten anfängt?
Gerd Vogel: Fahren, Fahren, Fahren.... (und zwar überall in der Halle). Der Wechsel der einzelnen Funpipes, des Streetparcours und der grossen Halfpipe entspannt und schult gleichzeitig sehr! Bei den Jüngeren rate ich vom Streeten ausserhalb der dafür vorgesehenen Streetparcours eher ab, da dort die Verletzungsgefahr sehr hoch ist und sie sich kritklos an den Leistungen der älteren und wesentlich Erfahreneren orientieren (die sich dabei trotz aller Erfahrung nicht gerade selten sehr verletzen).

xsk8.de: Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Dir noch viel Spass und Erfolg und den Kids natürlich auch!
[IS] 


Rubrik: Dialog - Interviews und Berichte aus der Skateszene
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